12.05.2026 / SKM diskursiv

Baugenehmigungen beschleunigen – keine Innovation ohne Kommunikation

Die (digitale) Automatisierung von Bewilligungsverfahren kann Infrastrukturprojekte und andere Bauverfahren beschleunigen – und deren Kosten reduzieren. Das gilt aber nur dann, wenn die Beteiligten vorab miteinander reden und eine kooperative Grundhaltung das Verhältnis von Behörden und Vorhabenträgern prägt.

Auf der Rückreise vom Kongress der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen. Das Thema: die digitale Baugenehmigung. Es ist eine Veranstaltung für Kenner der Materie. Vor allem Baubehörden aus Kommunen und Ländern, Vermessungs- und Architekturbüros, Verwaltungsexperten sowie KI-Entwickler diskutieren auf hohem, will heißen, detailliertem Niveau. Kommunikatorinnen und Kommunikatoren sind eher Mangelware. 

Zwei Perspektiven

Doch schon die Reaktion auf den Key Note-Vortrag von Evelyne Jost, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut Digitales Bauen der Fachhochschule Nordwestschweiz, zeigt, dass es gerade bei Bauvorhaben ohne Kommunikation nicht geht. Die Schweizer Wissenschaftlerin verweist darauf, dass der Prozess der Baugenehmigungen immer länger dauere und bemüht sich dabei bewusst um eine differenzierte Perspektive. "Das liegt nicht nur an den Behörden", sagt Jost. "Eine große Herausforderung, die wir haben, ist die Qualität von Baugesuchen." 

Die Bewertung dieser Aussage durch das Publikum fällt sehr unterschiedlich aus. In der Reihe hinter mir können zwei Verwaltungsangestellte ihre Begeisterung über die Kritik an den Bauanträgen nicht für sich behalten. „Genau“, zischt der eine und seine Kollegin antwortet leise aber vernehmlich: "Endlich."

Unter Architekten, Vermessern und anderen Dienstleitern von Vorhabenträgern hingegen sorgt der Satz in Teilen für Unmut. Seien es nicht vor allem die Behörden, die mit häufig divergierenden Regelauslegungen für Verzögerungen sorgten? Wie stehe es um die Verbindlichkeit der Aussagen von Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeitern? Sei es nicht geradezu zwangsläufig so, dass man zunächst einmal den kleinsten gemeinsamen Nenner definiere und sich anschließend zur Nachreichung weiterer Unterlagen auffordern lasse? Andernfalls stecke man zu viel Arbeit in die Erstellung von Papieren, die manchmal gefordert seien – aber längst nicht immer, heißt es am Rande des Kongresses. 

Von Einreichern und Prüfern

Trotz des freundlichen Grundtons kann auch die Veranstaltung in Gießen nicht verbergen, dass Genehmigungsprozesse für Bauvorhaben von zwei sehr unterschiedlichen Perspektiven geprägt sind. Und diese erwachsen aus sehr unterschiedlichen Rollen. Egal ob es sich um ein kommunales Wohnungsbauprojekt oder das neue Frankfurter Flughafenterminal handelt; der Verwaltungsvorgang kennt die immer gleichen zwei Hauptdarsteller: den Vorhabenträger, der ein Projekt plant und Unterlagen einreicht sowie die Behörde, die die Unterlagen prüft und die Genehmigung ausstellt. Und das dauert – bei Planfeststellungsverfahren in der Regel bis zu sechs Jahre, wie Stephan Siegert von der DEGES, der bundeseigenen Fernstraßenplanungs- und Bau GmbH ausführt. Manchmal auch länger.

Die Genehmigung von Bauvorhaben lässt sich durch Digitalisierung beschleunigen. Der Kongress zeigt hier unterschiedliche Verfahren, v. a. auch das erhebliche Potential, das aus der Nutzung von BIM-basierten Bauanträgen erwächst. Dreidimensionale digitale Bauwerksmodelle erleichtern die Prüfung durch Behörden und verkürzen den Genehmigungsprozess. Auch die Nutzung von künstlicher Intelligenz beim Umgang mit Einwendungen im Rahmen großer Infrastrukturprojekte kann die Arbeit vereinfachen und rechtssicherer gestalten.

Miteinander statt gegeneinander

Doch kann die Beschleunigung von Verfahren nur gelingen, wenn die Digitalisierung und KI-Nutzung dem Miteinander von Vorhabenträgern und Behörden dient, nicht dem Gegeneinander. Wenn die Beteiligten von Genehmigungsverfahren deren Verzögerung stets ausschließlich dem Gegenüber anlasten, wird ihnen auch Digitalisierung nicht helfen. 

Technologie kann Prozesse beschleunigen, auch die Kommunikation zwischen den Beteiligten von Genehmigungsverfahren erleichtern. Vorurteile kann sie nicht überwinden. Da hilft nur das offene Gespräch. 

Wer zu Beginn eines Genehmigungsprozesses Ziele klar benennt und Ansprüche – auch an die Gegenseite – offen definiert, schafft die Voraussetzung dafür, dass sich Verfahren beschleunigen. Dafür müssen Vorhabenträger vor Beginn des offiziellen Verfahrens den Kontakt zu allen Stakeholdern suchen. Dazu gehören Landes- und Kommunalbehörden genauso wie Träger Öffentlicher Belange (TÖBs) sowie andere Personen und Gruppierungen von Relevanz in dem vom Projekt betroffenen Umfeld. 

Die auf einer klaren Strategie aufbauende, frühzeitige Ansprache von Stakeholdern kostet am Anfang eines Bauprojekts Zeit. Doch sie ist ein lohnendes Investment: Die Auszahlung der Rendite erfolgt im Rahmen eines verkürzten Genehmigungsprozesses. 

Früher Dialog für belastbare Verfahren

SKM Consultants unterstützt Vorhabenträger dabei, frühe Öffentlichkeitsbeteiligung als strategisches Instrument der Verfahrensvorbereitung zu nutzen – insbesondere bei komplexen Infrastruktur- und Bauvorhaben, die eine Raumverträglichkeitsprüfung oder ein Planfeststellungsverfahren durchlaufen. Entscheidend ist dabei, Kommunikation nicht erst mit der formellen Auslegung von Unterlagen beginnen zu lassen, sondern bereits dann, wenn Varianten, Trassen, Standorte, Schutzgüter, Bauabläufe oder Betroffenheiten noch erklärbar und gestaltbar sind.

Wir analysieren Projektumfeld, Akteurslandschaft und absehbare Konfliktlinien, übersetzen technische und planerische Zusammenhänge in verständliche Dialogangebote und bereiten Vorhabenträger auf den Austausch mit relevanten Stakeholdern vor. So wird Beteiligung zu einem Beitrag für tragfähigere Unterlagen, belastbarere Verfahren und mehr Akzeptanz.

Wie beeinflusst Kommunikation die Genehmigung von Bauvorhaben?

Ich freue mich auf Ihre Meinung.